Feline Hyperthyreose und CNE – Bitte was?

Beide Begriffe bezeichnen Erkrankungen der Katze, die vor allem ältere Katzen betreffen. Als „Feline Hyperthyreose“ bezeichnet die Tiermedizin eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen, „CNE“ ist die Abkürzung für Chronische Nierenerkrankung oder Niereninsuffizienz. Unsere Lady schlägt sich mit beidem herum und ist medikamentenpflichtig.

Was für Auswirkungen hat das auf unser Zusammenleben?


Zur Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion handelt es sich um die übermäßige Vermehrung hormonbildender Zellen der Schilddrüse, die durch die Freisetzung des Hormons Thyroxin den Stoffwechsel beeinflussen. Bei der Schilddrüsenüberfunktion wird zuviel dieses Hormons freigesetzt, so dass der Stoffwechsel und die Organe auf Hochtouren laufen.
Häufige Symptome sind vor allem Heißhungerattacken, die die Katze dazu veranlassen in kurzer Zeit sehr viel Nahrung zu sich zu nehmen. Oft schlingen sie das Futter herunter, was nach den Mahlzeiten zu Erbrechen führen kann. Phasen des Heißhungers können sich mit Phasen von Appetitlosigkeit abwechseln. Trotz der vermehrten Nahrungaufnahme verliert die Katze an Gewicht, das Fell wird stumpf und struppig und wirkt ungepflegt. Teilweise kommt es auch zu Durchfall.

Bei Lady waren die auffälligsten Symptome starker Gewichtsverlust und stumpfes Fell. Der Bluttest beim Tierarzt im Mai zeigte erhöhte Schilddrüsenwerte, damals waren die Nierenwerte noch in Ordnung. Das war Tablette Nummer 1, 1x täglich, unzerkaut. Meine Mutter und meine Oma haben Lady damals wieder „aufgepäppelt“ – vom Klappergestell, an dem das Fell herunterhing, zu gesunden 4,7 kg und weichem glänzendem Pelz.
Das war eine schwierige Angelegenheit, denn Lady schluckt keine Tabletten, lässt sich nichts in den Mund schieben, schon gar nicht mit eine Tablettengeber im Rachen. Sie mag keine Leckerlis, in denen wir die Minikügelchen verstekcen könnten, außer hauchzarte Putenbrust, aber alles, was darin eingerollt ist, findet sie und spuckt es wieder aus. Also mussten die Tabletten doch zermahlen werden. Das verringert natürlich die verordnete DosierungDosierung, was aber laut unserer Tierärztin in Ladys Fall nur halb so wild sei:


Zur Chronischen Nierenerkrankung

Bei der Nachuntersuchung im September stellte sich heraus, dass Ladys Schilddrüsenwerte in den „unteren Bereich des Normalen“ gesunken waren. Die niedrigere Dosierung durch das Zerreiben war also nicht nachteilig. Leider zeigten sich im Blutbild aber auch schlechte Nierenwerte, was im Klartext hieß: Ladys Nieren arbeiten nicht mehr richtig und verlieren nach und nach ihre Funktionalität – chronische Niereninsuffizienz.

Die chronische Nierenerkrankung (auch Niereninsuffizienz oder chronisches Nierenversagen) ist eine nicht heilbare und fortschreitende Erkrankung der Nieren, bei der die Nierenfunktion immer weiter nachlässt, und zählt zu den häufigsten Todesursachen bei älteren Katzen. Leicht erkennbare Symptome sind Appetitlosigkeit, vermehrtes Trinken und vermehrtes Urinieren. Vereinfacht ausgedrückt, können die erkrankten Nieren Stoffwechselabfallprodukte aus der Nahrung nicht mehr korrekt filtern und dem Urin zuführen. Vor allem Stoffe wie Phosphat und Salze verbleiben trotz vermehrter Flüssigkeitsaufnahme im Körper – und vergiften ihn. Als Folge ist der betroffenen Katze unwohl, ihr wird übel und sie erbricht um sich Erleichterung zu verschaffen. Weitere Begleiterscheinungen sind Gewichtsverlust, Bluthochdruck und Entzündungsreaktionen im Körper.

Der Funktionsabbau der Nieren kann nicht gestoppt, aber durch Medikamente und eine Nierendiät verlangsamt werden.

Und da hatten wir den Schlamassel! Tablette Nummer 2, 1x täglich, aber dafür zerrieben im Futter. Und natürlich die Umstellung auf Diätfutter – proteinreduziert, dafür jedoch hochwertige Proteine und möglichst phosphatarm. Nun gehört LAdy zu denjenigen KAtzen, die sich auf eine oder maximal zwei Futtersorten festlegen und ihr Leben lang nichts anderes zu sich nehmen wollen – außer hauchzarte Putenbrust natürlich. Die Nahrungsumstellung verläuft folglich nicht gerade erfolgreich.


Eine tägliche Herausforderung

Schon allein die Kurzfassungen der Krankheitsbilder machen eines deutlich: Lady hat wenig Appetit, ihr ist oft übel, sie nimmt das Diätfutter nicht gut an und damit auch ihre Tabletten nicht und sie hat Begleiterscheinungen – im Moment eine Magenschleimhautentzündung.

Das Medikament hiergegen ist wieder eine Tablette, 1-2x täglich, unzerkaut, eine Stunde vor dem Essen. Ihr könnt euch vorstellen, wie schwierig es für mich ist, die in sie rein zu bekommen.

Und so wird unser Zusammenleben zwischen den Kuscheleinheiten mit Phasen von Erbrechen, entsprechendem Unwohlsein und schlechter Laune durchzogen. Ganz abgesehen von dem Stress, den es Lady und mir bereitet, die Tabletten zu nehmen. Und mal ehrlich: es gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben, jeden Tag Erbrochenes wegzuputzen!

Es gibt Tage, da denke ich verzweifelt „Ach Lady, nicht schon wieder! Nimm doch endlich mal deine Tabletten, du dummes Vieh!“ und bin kurz davor die Nerven zu verlieren, wenn ich morgens in ihr Zimmer gehe und erstmal in eine große Pfütze tappe. Aber ich bereue diesen Gedanken sofort.

Klar ist das nicht angenehm und belastend,  aber Lady kann schließlich nichts dafür. Sie ist krank und es ist meine Aufgabe angemessen damit umzugehen. Durch viele Gespräche mit unserer Tierärztin und einiger Recherche habe ich nun ein besseres Verständnis dafür, was Ladys Erkrankungen mit sich bringen, vor allem für sie. Und dass ich jedes Anzeichen von Verschlechterung ernst nehmen und mich daran gewöhnen muss, dass eben solche Unfälle passieren. Sie braucht viel mehr Zuwendung als unsere kleinen Mädchen, die bis auf einen Schnupfen hin und wieder kerngesund sind.

Einfach ist das nicht und über die Zeit wird es auch nicht besser werden, das ist mir nun klar. Wir müssen uns Geduld üben, Lady viel Liebe geben und versuchen, ihr die letzten Jahre so angenehm wie möglich zu
machen.

Gemeinsam mit unserer Tierärztin suchen wir nach Alternativtherapien für Lady. Es gibt noch einige andere Möglichkeiten Hyperthyreose und CNE zu behandeln. Auch müssen wir uns damit auseinandersetzen, was passiert, wenn die Nieren irgendwann gar nicht mehr wollen – das jedoch an anderer Stelle.