Probleme bei der Zusammenführung – mit der Katzenpsychologin auf der Couch

Ich möchte euch vom Besuch der Katzenpsychologin am vergangenen Dienstag berichten 😺 Bevor ihr weiter lest möchte ich aber darauf hinweisen, dass ich keine geschulte Katzenexpertin bin und lediglich das wiedergeben kann, was ich für mich aus dem Gespräch gezogen habe. Ich habe versucht, die für mich wichtigsten Aussagen herauszuarbeiten und in eigenen Worten zu beschreiben.


Zum Hintergrund

Am 20.09.2017 ist unsere Lady bei uns eingezogen. Sie ist 15 Jahre alt und war die Katze meiner verstorbenen Oma. Sie war seit frühester Kindheit Einzelkatze und hatte als Wohnungskatze keinen Kontakt zu anderen Katzen. Sie ist daher entsprechend menschbezogen.L ady hat eine Schilddrüsenüberfunktion und vor Kurzem wurde auch eine chronische Nierenerkrankung diagnostiziert. Sie bekommt Tabletten und muss eine Nierendiät einhalten.

Unsere beiden kleinen Mädels Maja und Lilli sind ca. Ende Juli 2016 geboren und haben bis Ende September 2016 mit ihren beiden Wurfgeschwistern ohne Mutter im Tierheim gelebt. Wie lange sie bei ihrer Mutter waren, ist unbekannt.L illi neigt zu stressbedingten Hautekzemen die sie sich blutig kratzt, so dass sie irgendwann völlig zerrupft aussieht.

Lady ist jetzt also ca. fünf Wochen bei uns. In den ersten beiden Wochen, hat sie die Wohnung kennen gelernt und natürlich auch Katzenpapa Björn und die Mädchen. Ihnen gegenüber war sie sehr scheu hat sich meistens im Gästezimmer, das wir ihr hergerichtet haben, aufgehalten und sich verkrochen, wenn Björn oder die Mädchen in ihre Nähe kamen. Natürlich hat sie auch ordentlich gefaucht und geknurrt.

Nach zwei Wochen ist sie ins Wohnzimmer umgezogen, Gästezimmer wollte sie nicht mehr bleiben. Es folgten immer wieder kleine Fortschritte im Zusammenleben: Björn durfte sie nun anfassen und streicheln. Sie ist abends sogar zu uns ins Bett gekommen und hat lauthals geschnurrt. Gegenüber den Kleinen war sie jedoch skeptisch, aber sie fing an die Nähe unserer Maja zu suchen. So kam es, dass alle drei eines Nachts zusammen auf dem Sofa saßen oder Maja und Lady zusammen auf den Liegeplätzen am Schlafzimmerfenster geschlummert haben.


Das Problem

Doch lange währte dieser Frieden leider nicht. Lady fühlte sich inzwischen sicher in der Wohnung und hatte das neue Revier übernommen. Sie fauchte auch nicht mehr.

Eines Abends geriet sie heftig mit unserer Lilli aneinander, ich meine auch Pfötchen dabei gesehen zu haben.

Seitdem hängt der Haussegen schief. Immer, wenn Lilli und Lady sich begegneten, ist Lilli panisch fauchend und schreiend geflüchtet was Lady dazu animiert hat, ihr hinterherzujagen, was Lilli dazu veranlasste, Urin zu verspritzen. Und das mehrmals am Tag. Nur wenige Tage haben wir uns das mit angeschaut und sie wieder getrennt. Lady wohnt seitdem bei geschlossener Tür im Wohnzimmer, was natürlich kein Dauerzustand sein kann. Daher haben wir uns entschieden, so schnell wie möglich einen Profi einzuschalten um die Situation in dem Griff zu bekommen. Denn dass Lady wieder ausziehen muss und das ohne wirkliche Alternative, wollen wir nicht!


Der Besuch

Wir haben eine Katzenpsychologin in unserer Nähe gefunden, die einen guten Eindruck machte und schnell einen Termin vereinbart.A ber wie sieht so ein Termin aus und was macht eine Katzenpsychologin überhaupt mit den Tierchen?

Nun. Im Grunde macht sie gar nichts. Also keine Hypnose oder eigentümliche Besprechung der Katzen, aber auf die Couch ging es doch.

Im Vorfeld haben wir einen detaillierten Fragebogen ausgefüllt: Wie leben die Katzen, was fressen die Katzen, wieviele und welche Katzentoiletten gibt es und wo stehen diese, wieviele Kratzbäume/Katzenplätze gibt es, wie groß, wie hoch, wie verhalten sich die Katzen, was haben sie für einen Hintergrund usw.? Dann ein erstes Gespräch über das Problem am Telefon und wie die Situation sich im Moment darstellt. Großer Pluspunkt: sie war ehrlich und hat uns keinen garantierten Erfolg versprochen.

Ihr Besuch war wirklich mehr Besuch, wir haben gemütlich auf der Couch gesessen und uns über unsere Katzen, Katzenverhalten im Allgemeinen, einige ihrer Fälle und auch unsere menschlichen Sorgen unterhalten. Dann hat sie sich noch die Wohnung angeschaut und für uns einige Vorschläge zu “Catification” und das weitere Vorgehen gemacht. Wir fanden den Termin sehr angenehm.


Ergebnisse und Maßnahmen

Wir haben einige Hausaufgaben bekommen, die wir ausprobieren sollen. Die “Therapie” ist ein step-by-step Programm, das wir mit unseren Fellnasen durchführen, für sie dokumentieren und mit ihr telefonisch/WhatsApp/e-mail Kontakt über die Fortschritte und/oder Fehlschläge halten, so dass sie uns ggf. neue Vorgehensweisen vorschlagen kann. Das Ganze ist für ca. drei Monate angelegt, nach einer Weile wird es einen zweiten Hausbesuch geben. Erst nach dieser Zeit kann sie abschätzen, ob es sich lohnt, noch weiter mit den Mädels zu arbeiten.

Aber was kam denn nun heraus?

Sowohl Lady als auch Maja und Lilli haben nicht die idealen Voraussetzungen für eine Zusammenführung. Lady war seit ihrer Kindheit allein und konnte nie “richtiges Katzenverhalten” lernen. Unsere Kleinen kamen mit 9 Wochen zu uns, mindestens das wichtige letzte Drittel der Zeit mit ihrer Mutter, in der Kitten lernen mit erwachsenen Katzen umzugehen, Frust zu bewältigen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und Grenzen kennen zu lernen, haben sie verpasst.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Situation so dar:

Maja scheint von dem allen recht unbeeindruckt zu sein. Sie ist eher gelassen und es ist ihr egal, wenn sie angefaucht wird, sie geht trotzdem in die Nähe von Lady und auch ohne Scheu an ihr vorbei. Sie weiß ganz gut, was sie will, solidarisiert sich aber natürlich mit ihrer Schwester und verkriecht sich auch mit ihr. Wir gehen im Moment davon aus, dass wir Maja erstmal keine Maßnahmen zu ergreifen sind.

Lady ist eine selbstbewusste erwachsene Katze, die nun das Revier übernommen hat.

(Bei Katzen gibt es keine Rangordnung wie bei Rudeltieren z.B. Hunden, sondern nur Revieransprüche.)

Sie will ihr Revier für sich und den ihr bekannten “Normalzustand”, den sie von Oma kennt, wiederherstellen. Das heißt, sie versucht “störende Konkurrenz“ zu vertreiben, in unserem Fall Lilli, die sich durch ihre Unsicherheit und Angst für Lady auffällig verhält. Das ist wohl der Grund, warum Lady ihr hinterherjagt, sobald Lilli sie angefaucht hat. Maja verhält sich in Ladys Augen unauffällig und stört “ihre Kreise” nicht, daher toleriert sie sie.

(Je selbstbewusster eine Katze ist, desto eher ist sie bereit, ihr Revier zu teilen.)

Um ihr das Gefühl von Sicherheit und ausreichender Ressourcen zu geben, sollen wir ein Gefühl des Überflusses bei ihr erzeugen. Fehlt es ihr an nichts, muss sie auch niemanden vertreiben. In Ladys Fall heißt das für uns: Kuscheln, kraulen und ihr Aufmerksamkeit schenken, bis sie nicht mehr mag. Ihre Plätze hat sie sich gesucht, Fressen bekommt sie ausreichend und ab und zu gibt es ihre Lieblingswurst.

Lilli ist unsicher, was Lady angeht und sieht in ihre “Fälle davon schwimmen”. Sie hat ihr Revier verloren und weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Wir sollen ihr Selbstbewusstsein stärken und ihr beibringen mit Frust umzugehen. Hierfür geeignet sind Fummelbretter, aus denen Sie sich Ihre Leckerlis erarbeiten muss und wenn es klappt, merkt, was für eine tolle Katze sie ist. Genauso können interaktive Spiele z.B. mit der Katzenangel ihr helfen, Erfolge zu erringen. Wichtig ist auch hier, dass sie sich sicher und geborgen fühlt und sie alles bekommt, was sie braucht. Sie ist keine große Kuschlerin, aber wenn sie unsere Zuwendung möchte, muss sie diese auch bekommen.

Zum Aspekt der Sicherheit und Geborgenheit gehört auch die Ressource Liege- und Ruheplätze.

(Ein ideales Katzenzimmer kann eine Katze umrunden, ohne ein einziges Mal den Boden berühren zu müssen.)

Höher gelegene Plattformen und Laufwege sind hier das A & O. Natürlich muss auch immer ein “zweiter Rettungsweg” vorhanden sein. Unsere Hausaufgabe ist also zusätzliche “sichere” Plätze für Lilli zu schaffen und möglichst wenig “dunkle Ecken”, in denen sie sich verkriechen bzw. aus denen Sie schlecht fliehen kann. Die Kratzbaumplanung für das Wohnzimmer läuft bereits und die ersten Teile für den Regalumbau sind bestellt.

Konfrontationen zwischen Lady und Lilli sollen wir möglichst vermeiden. Begegnungen dürfen nur unter Aufsicht stattfinden. Auf keinen Fall darf es dazu kommen, dass Lilli sich zum Fauchen genötigt fühlt.

(Es müssen negative Erlebnisse durch positive Erlebnisse ersetzt werden.)

Starren sich die zwei an und wird dabei der Schwanz immer wilder hin und her bewegt, müssen wir den Blickkontakt so beiläufig wie möglich unterbrechen

(In der Katzenwelt ist Anstarren unhöflich, oft wegschauen gilt als höflich und freundlich und wirkt deeskalierend.)

Unsere (menschliche) Stimmung überträgt sich auf die Katzen. Sind wir unruhig, gestresst oder verärgert, sind sie es auch. Bleiben wir ruhig und freundlich, entspannen Sie sich. Auf keinen Fall darf man Katzen in brenzligen Situationen anschreien oder grob anfassen, sie verstehen nicht, warum und fürchten sich. schlimmstenfalls wird gefaucht und gekratzt, also sich verteidigt.

(Werden Katzen bedrängt, sind Fauchen und Knurren Ausdruck ihrer Unsicherheit und Angst, sie signalisieren “Geh weg von mir!”. Geht man auf Abstand beruhigt sich die Katze wieder, bedrängt man sie weiter, fühlt sie sich genötigt, sich zu verteidigen und wird aggressiv/kämpft.)

Zur Entspannung der Gesamtsituation können Pheromonverdampfer z.B. Feliway helfen. Die Katzenflüsterin hat uns auch Bachblüten empfohlen, diese wirken auf Schwingungsebene und gleichen inneres Ungleichgewicht aus. (Mit diesem Thema müssen wir uns erst näher beschäftigen, daher gehe ich nicht weiter darauf ein). In einem Fallbeispiel hat es Katzen bei der Stressbewältigung geholfen, dass man ihr ruhig vorgelesen hat. Auch mit der Katze reden kann positiven Einfluss auf ihr Verhalten haben.


Fazit

Katzen sind wunderbare und mysteriöse Wesen, die wir nie ganz verstehen werden. Alle beschriebenen Maßnahmen können helfen, ein Erfolg ist aber nicht garantiert. Wichtig ist, dass wir unsere Katzen gut beobachten und angemessen reagieren. Dass wir es Ihnen an nichts fehlen lassen und versuchen, ihre individuellen Bedürfnisse zu verstehen und zu erfüllen.

Das wird natürlich nicht einfach für uns! Wir werden einen Großteil unserer Zeit für die bewusste Beschäftigung mit unseren Mädchen aufwenden müssen und mit Liebe und Geduld versuchen, ein sicheres und friedvolles Zusammenleben herbei zu führen.

Was schön ist: wir fangen nicht komplett von null an. Gittertüren bleiben uns erspart. Wir werden sehen wie es läuft und ich werde berichten.

Drückt uns die Daumen 👍🐈😻😽🌼